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Ferienmagazin Deutschland 2019

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Klingende Handwerkskunst

Klingende Handwerkskunst Das Vogtland ist die Heimat des Musikinstrumentenbaus und filigraner Handwerkskunst. Entlang der „Route der Industriekultur“ geben lebendige Museen, Schauwerkstätten und aktive Produktionsstätten Einblicke in die Tradition der Textilverarbeitung, des Musikinstrumentenbaus und des Bergbaus. Seit mehr als 350 Jahren entstehen hier in Handarbeit wahre Wunderwerke an Präzision und Qualität. Im Musikwinkel, auch Musicon Valley genannt, können Besucher in über 100 verschiedenen Werkstätten den Instrumentenmachern über die Schulter schauen, wie sie fast alle Orchesterinstrumente in traditionsreicher Arbeit herstellen. Die „Erlebniswelt Musikinstrumentenbau“ in Markneukirchen bietet spannende Schauvorführungen in drei Erlebniswelten an. Für Musikvereine und Orchester organisiert der Verein Musicon Valley außerdem individuelle Erlebnisreisen. Eine weiterer „Berühmtheit“ des Vogtlands ist die „Plauener Spitze“, deren Herstellungsverfahren man in der Schaustickerei Plauen hautnah erleben kann. Einen hervorragenden Einblick in die Geschichte des Vogtlands vermittelt der „Kulturweg der Vögte“(siehe S. 39). Auf dem Vogtland Panoramaweg oder auf dem Kammweg Vogtland-Erzgebirge lässt sich die hügelige Landschaft wandernd entdecken. Die Tour dehnt sich über 289 Kilometer zwischen Blankenstein in Thüringen durch das Vogtland bis nach Altenberg-Geising im Osterzgebirge. Schwerelos schweben In der im Herbst 2015 eröffneten Soletherme Bad Elster können die Gäste dank einer außergewöhnlichen Glaubersalzquelle im Elstertal das „Schweben wir im Toten Meer“ erleben. Drei Becken mit unterschiedlichem Solegehalt, mit bis zu 15 % im Indoor-Salzsee, 36 Sachsen stehen zur Wahl. Im Eintritt ist die Nutzung der Badelandschaft im historischen Albert Bad inklusive. In Bad Brambach befindet sich die stärkste Radonquelle der Welt. Das hochwirksame Edelgas wird in Wannenbädern und als Trinkkur genutzt und verheißt Linderung bei Probleme des Stütz- und Bewegungsapparats. Schnitzkunst und Bergbautradition Zwei Traditionen prägen das Erzgebirge – das Kunsthandwerk und der Bergbau. Im Bergbaumuseum in Oelsnitz und in vielen Schaubergwerken entlang der Silberstraße im Westerzgebirge erhält der Besucher einen Einblick in die Welt der Bergmänner ebenso wie bei feierlichen Bergparaden und auf lichterfunkelnden Weihnachtsmärkten (siehe S. 70 ff.). In rund 300 Familienbetrieben geben Meister Einblick in ihre Manufakturen. Ein Zentrum ist das Spielzeugdorf Seiffen mit einem eigenen Museum für erzgebirgische Volkskunst. Chemnitz, die drittgrößte Stadt Sachsens, lockt die Museumsliebhaber mit dem Museum Gunzenhausen, der Villa Esche und dem Museum für sächsische Fahrzeuge. In Zwickau erzählt das August Horch Museum die Geschichte des sächsischen Automobilbaus (siehe S. 68ff.). Die Automobilindustrie ist bis heute ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Zwickau. Künftig sollen im VW-Werk – ab Ende 2019 – ausschließlich Elektroautos gebaut werden. Die Elektro-Offensive sieht vor, in absehbarer Zeit sechs E-Modelle von drei Marken zu produzieren. Eng verbunden ist die Stadt mit dem Namen Robert Schumann, zu dessen Ehren das jährliche Schumann-Fest stattfindet, das dieses Jahr ganz im Zeichen des 200. Geburtstag seiner In Erinnerung an die Leipziger Demonstration von 70.000 Menschen am 9. Oktober 1989 gegen die SED-Diktatur wird dieser „Tag der Freiheit“ jährlich mit einem Lichtfest und Veranstaltungen gefeiert Das Robert-Schumann-Haus während des Festivals of Lights anlässlich der 900-Jahr-Feier Zwickaus 2018 als Kunstobjekt Ehefrau Clara und unter dem Motto „CLARA 200“ (6.-16.6.2019) steht. Im Robert-Schumann-Haus ist u.a. die Sonderausstellung „Clara Schumann und die Familie Wieck (7.9.- 30.12.2019) zu sehen. Hauptstadt der Friedlichen Revolution Auch in Leipzig steht Clara Schumann im Mittelpunkt. 25 Jahre lebte die berühmte Musikerin, die in Leipzig geboren wurde, in der Musik- und Messestadt, deren Musiktradition sich in Namen wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Johann Sebastian Bach, Richard Wagner, Edvard Grieg, Gustav Mahler und vielen weiteren widerspiegelt. Das Gewandhausorchester und die Oper Leipzig genießen weltweites Renommee, internationale Festivals sorgen für Aufmerksamkeit. Auch das Programm dieses Jahres ehrt Clara Schumann, die einst im Alter von neun Jahren im Leipziger Gewandhaus ihr Konzertdebüt gab. Höhepunkte bilden die Schumann-Festwochen (12.-29.9.2019, siehe S. 55 ff.), die sich um den Geburtstag (13.9.1819) und den Hochzeitstag (12.9.1840) ranken. Das Schumann-Haus in der Inselstraße, wo Clara und Robert ihre ersten vier Ehejahre verbrachten, erstrahlt dann mit einem neuen Museumskonzept. Ein ganz besonderer Tag für Leipzig ist der 9. Oktober 1989, der als entscheidender Wendepunkt der Friedlichen Revolution gilt, die sich 2019 zum 30. Mal jährt. Seit 2009 wird der Tag in Leipzig mit einem großen Lichterfest gefeiert. Zum Jubiläum gibt es ein Fest auf dem gesamten Innenstadtring. Wo 1989 rund 70.000 Menschen für Freiheit und Demokratie demonstrierten, werden internationale Künstler ihren eigenen Blick auf die historischen Ereignisse wiedergeben. Spektakuläre Lichtkunst und Videoinstallationen, Musik, Tanz und Performance begleiten das Großereignis auf dem Ring. Zwischen Burgen und Weinbergen Abwechslung bringt ein Ausflug ins Umland, in die Region Leipzig. Im südlich gelegenen Sächsischen Burgenland können Radwanderer auf dem 400 Kilometer langen Mulderadweg kulturhistorische Sehenswürdigkeiten sowie die artenreiche Flora und Fauna der Region erkunden. Wassersport wird im Leipziger Neuseenland mit seinen mehr als 20 Gewässern großgeschrieben. Im Kanupark Markkleeberg sind Besucher begeistert von den modernen Wildwasseranlagen, im Freizeitpark Belantis von der Mega- Achterbahn. Feine Tropfen munden Weinkennern im Sächsischen Elbland. An den Hängen des Elbtals reifen im kleinsten Weinbaugebiet ...weiter auf Seite 38

Auf den Spuren der Vögte Es ist eine idyllische Gegend, die sanfte, von der Weißen Elster durchflossene Mittelgebirgslandschaft. Weit schweift der Blick über bewaldete Höhenzüge, wo sich aus dem Grün der Wälder majestätische Burgen, Türme und Schlösser erheben. Bauliche Zeugnisse, die an die einstigen Landesherren erinnern – die Vögte. Weit über 70 Burganlagen und Sakralbauten erzählen noch heute von der mittelalterlichen Glanzzeit. Neuerdings können Reisende, die sich für die Geschichte des Vogtlands interessieren, auf dem „Kulturweg der Vögte“ bei spannenden Ausstellungen und erlebnisreichen Stadtrundgängen das historische Vogtland neu entdecken – von der „Wiege des Vogtlands“, der Osterburg bei Weida, bis zum Kloster Mildenfurth in Wünschendorf, von den Greizer Schlössern bis zur Johanniskirche in Plauen und Barbarossas Kaiserpfalz in Eger. Neben Kultur und Kunst lässt sich bei der Spurensuche in historischen Restaurants die traditionelle vogtländische Küche genießen. Ein Höhepunkt ist der Besuch auf der Osterburg in Weida. Vom Turm der 800 Jahre alten „Stammburg der Vögte“ bietet sich ein herrlicher Ausblick über die thüringische Kleinstadt und die umliegende Landschaft. Das mittelalterliche Gemäuer beherbergt eine Ausstellung zum Thema Zeit mit der einzigen Atomuhr der ehemaligen DDR. Eine 360-Grad-Projektion über die Geschichte der Vögte und die urige „Wirtschaft zur Osterburg“ runden den Rundgang ab. Ein Wanderweg führt von hier aus zur Veitskirche bei Wünschendorf. Der Johanniskirche, Plauen Sakralbau auf dem Veitsberg, der aus einer Burgkapelle aus dem Jahr 974 hervorgegangen ist, zählt zu den ältesten Gotteshäusern Thüringens. Bei individuellen Führungen präsentieren engagierte Gemeindemitglieder den spätgotischen Marienaltar (um 1490 entstanden), die Buntglasfenster aus dem 12. Jahrhundert und den Klang der Orgel. Osterburg, Weida Lebendige Geschichte Richtung Süden erhebt sich weithin sichtbar über Greiz das Obere Schloss. Der Blick über die Stadt ist beeindruckend. Deshalb führen auch die „Freifrau von Groitz“ oder der „Greizer Nachtwächter“ die Teilnehmer ihrer Stadtführungen hinauf zum Schloss. Die Palette reicht von der Sagenführung für Kinder bis zu romantischen Spaziergängen durch das abendliche Greiz und spannenden Blicken hinter die Kulissen der Stadt. Wer dabei auf den Geschmack gekommen ist, der kann sich im Schlossmuseum intensiver mit dem Land der Vögte und Reußen beschäftigen. Neben Weida, Gera und Greiz war Plauen, später Industriestadt, einer der zentralen Orte im mittelalterlichen Herrschaftsgebiet der Vögte. Sehenswert ist die Stadtkirche St. Johannis, 1122 erstmals urkundlich erwähnt, mit der im 14. Jahrhundert errichteten Kapelle der Vögte. 1224 wurde die Kirche dem Deutschen Orden übertragen, der eine große Komturei errichtete. Vom einstigen Komturhof ist nur noch das Konventgebäude erhalten – es zählt zu den bedeutendsten Baudenkmalen des Deutschen Ordens in Deutschland. Im Sommer 2019 wird hier eine Ausstellung zur Geschichte des Deutschen Ordens im Vogtland eröffnet. Mittelalterliche Schätze Gleich drei Museen, den Historischen Kostümfundus sowie das Historische Kreisarchiv beherbergen die dicken, über 765 Jahre alten Mauern von Schloss Voigtsberg in Oelsnitz. Die imposante Anlage zieht Besucher schon beim Durchschreiten des Torhauses am Fuße des Schlossbergs in den Bann. Wahre Schätze finden sich im Innern des restaurierten Komplexes. Einen Abstecher wert sind die Ruinen am Burgstein, zwei ehemalige Wallfahrtskirchen aus dem Spätmittelalter. Weil die hier aneinandergrenzenden Diözesen Bamberg und Naumburg beide die Einnahmen aus der Pilgerfahrt für sich beanspruchten, entstanden zwei Kirchen in unmittelbarer Nachbarschaft. Die innerdeutsche Grenze verhinderte jahrzehntelang die Besichtigung der nach der Reformation verfallenen Kirchen. Heute genießen vor allem Wanderer und Ausflügler die historische Stätte. Die letzte Station unserer Reise ist die Kaiserburg Eger im böhmischen Cheb mit einem sehenswerten Burgmuseum. Mit dem Bau der Anlage wurde vermutlich im Jahr 1179, unmittelbar nach dem ersten Aufenthalt des Kaisers Friedrich Barbarossa in Eger begonnen. Die einzigartige Doppelkapelle wurde 1213 zum ersten Mal erwähnt. In diesem Jahr wurde hier durch Friedrich II. die als „Goldene Bulle von der Eger“ in die Geschichte eingegangene Urkunde ausgestellt. Die App „Time Trip“ lädt zum Abschluss zu einem virtuellen Stadtspaziergang durch das mittelalterliche Eger ein. Tourismusverband Vogtland e.V. touren.vogtland-tourismus.de www.kulturweg-der-voegte.eu Sachsen 37

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