Aufrufe
vor 7 Monaten

Ferienmagazin Deutschland 2020

  • Text
  • Reisen
  • Austellungen
  • Deutschland
  • Ferien
  • Urlaub
  • Stadt
  • Schloss
  • Region
  • Tourismus
Erholsame Ferienträume und spannende Erlebniswelten – das Beste finden Sie im aktuellen Ferienmagazin Deutschland Ihrem Guide für Deutschlandreisen 2020

Kloster St. Marienthal

Kloster St. Marienthal oder spirituellen Einkehrzeiten sowie auf Pilgerwegen in der Natur. Ruhige Zeiten unter Ordensleuten Zwar gilt Sachsen bis heute als ein Kernland des Luthertums, aber verheerende Glaubenskriege nach der Reformation blieben aus. In der böhmisch regierten Oberlausitz war das Miteinander der Konfessionen ganz selbstverständlich: Der Bautzner Dom dient seit der Reformation als „Simultankirche“ für Protestanten und Katholiken. Selbst Großes Fastentuch, Zittau 36 Sachsen katholische Enklaven wie die Klöster St. Marienthal und St. Marienstern haben bis heute Bestand. Später wurde sogar die Residenzstadt Dresden zum Ort religiöser Toleranz: Kurfürst August der Starke ließ seine protestantischen Bürger ihre Frauenkirche bauen, obwohl er selbst katholisch geworden war, um Polens Krone zu übernehmen. Drei Klöster laden zur inneren Einkehr: In der Oberlausitz beten und arbeiten Nonnen in St. Marienthal und St. Marienstern seit dem 13. Jahrhundert. Das 1543 aufgelöste Kloster Wechselburg wurde 1993 von Benediktinern aus dem bayerischen Ettal wiederbelebt. Gastfreundschaft ist hier wie dort ein hohes Gut. Frieden finden auf heiligen Wegen Ganz unterschiedliche Orte für die innere Besinnung finden sich entlang der touristischen Route Via Sacra. Sie zieht sich wie eine Perlenschnur durch die Oberlausitz bis nach Nordböhmen und Niederschlesien. In Sachsen verbindet sie neun Orte miteinander, die mit bemerkenswerten sakralen Schätzen aufwarten. Dazu zählen die spätgotischen Schnitzaltäre im Kamenzer Sakralmuseum St. Annen ebenso wie die berauschend schönen Fastentücher in Zittau. In der einstigen Kirche zum Heiligen Kreuz zeigt das Große Fastentuch aus dem Jahr 1472 auf mehr als 55 Quadratmetern Tuch 90 meisterlich gestaltete Szenen aus der Bibel. Ein weiteres Highlight der Via Sacra ist das Ensemble des Heiligen Grabes in Görlitz. Der älteste symbolische Landschaftsgarten Europas erinnert mit drei sakralen Gebäude an die Passion Jesu. Eines davon, das eigentliche „Heilige Grab“, ist eine verkleinerte Kopie der Jerusalemer Grabeskirche, wie sie der spätere Bürgermeister Georg Emmerich 1465 auf seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land selbst gesehen hatte. Pilgern im Freistaat Die Renaissance der Pilgerwege lässt sich auch in Sachsen erleben. Der Ökumenische Pilgerweg „Via Regia“ zwischen Görlitz und Vacha in Thüringen (466 km) führt durch die mittelalterlichen Innenstädte von Bautzen und Görlitz; die berühmte Thomaskirche zu Leipzig liegt ebenfalls am Weg. Auf dem Sächsischen Jakobsweg gelangt der Pilger von Bautzen bis nach Hof an der Grenze zu Bayern. Die 297 Kilometer lange Strecke führt von der Oberlausitz über Dresden und das erzgebirgische Freiberg ins Vogtland. Im Freiberger Dom lohnt der Blick auf die sagenhafte „Tulpenkanzel“ und mit etwas Glück erklingt sogar die berühmte Silbermannorgel. Durch eine der schönsten Gegenden in der Oberlausitz führt der Zittauer Jakobsweg mit Stationen in Görlitz, Zittau und Oybin. Der Lutherweg ist ein verzweigtes Wegenetz zwischen Lutherorten von Sachsen bis Hessen. Mehr als 2.000 Streckenkilometer führen in Sachsen etwa zum Renaissanceschloss Hartenfels, in die Bach- Stadt Leipzig und nach Zwickau, wo Luther viermal vor tausenden Zuhörern predigte. Die Broschüre „Sachsens spirituelle Orte. Wo die Seele Urlaub macht.“ fasst die schönsten Ziele und Reiseideen zusammen. Sie ist kostenfrei in der Geschäftsstelle der TMGS und auf www.sachsen-tourismus.de erhältlich.

Wasserstadt Leipzig – Auf Wasserwegen zur Industriearchitektur Buntgarnwerke Als Musikstadt ist Leipzig in der ganzen Welt bekannt. Das Gewandhaus, die Oper und der berühmte Thomanerchor sind nicht nur Musikliebhabern ein Begriff (siehe S. 57 ff). Aber die Messe- und Kulturstadt Leipzig ist auch eine „Wasserstadt“. Den Beinamen verdankt sie ihrer Lage inmitten des Wasserknotens der Flüsse Weiße Elster, Parthe, Pleiße und Luppe. Mehr als 450 Brücken überspannen die Wasserläufe in der sächsischen Metropole – rund 50 mehr als in Venedig. Viele dieser Bauwerke entdeckt der Besucher bei einer Bootstour, bei der zudem beeindruckende Industriebauten zu bestaunen sind. Ein beliebter Ausgangspunkt ist der Leipziger Stadthafen. Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt mit einer echten venezianischen Gondel, die ein pfiffiger Wirt importiert hat. Jetzt versteht man, warum viele Einheimische ihrer Stadt den Kosenamen „Klein Venedig“ angeheftet haben. Unterwegs geht es vorbei an Cafés und Restaurants, die sich an den Ufern angesiedelt haben. Ein Höhepunkt der Rundfahrten sind die ehemaligen Buntgarnwerke, deren eindrucksvolle Fassaden die Weiße Elster flankieren. Imposantes Flächendenkmal Mehr als 200 Kilometer Flüsse schlängeln sich durch das Stadtgebiet. Seinen Ursprung hat das Wasserwegenetz im Ortsteil Plagwitz. Dort schuf der Gutsbesitzersohn und Rechtsanwalt Carl Erdmann Heine (1819-1888) seinerzeit das erste planmäßig entwickelte, großräumige Industriegebiet Deutschlands. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die Industriebauten und die Wasserwege rundherum saniert und rekultiviert. Heute ist der einst totgesagte Stadtteil ein einmaliges, circa 90 Hektar großes Flächendenkmal der Industriearchitektur. Ein Muss für Kulturinteressierte ist die Spinnerei Leipzig. Aus der ehemals größten Baumwollspinnerei Kontinentaleuropas ist eine der interessantesten Produktions- und Ausstellungsstätten für zeitgenössische Kunst und Kultur geworden. Seit die Baumwollgarnproduktion 1992 eingestellt wurde haben sich hier rund 100 Künstlerateliers sowie elf Galerien und Ausstellungsräume angesiedelt. Ein altes Heizkraftwerk beinhaltet heute das neue „Kunstkraftwerk“, ein Gesamtkunstwerk aus Licht, Video und Klang. Störmthaler See Maritimes Flair am Rande der Großstadt Ausgedehntere Bootstouren führen beispielsweise in den Leipziger Auwald – ein Naturjuwel mit einer einzigartigen Flora. Imposante Grünflächen und weitläufige Parks wie das Rosental und der Clara-Zetkin-Park machen Leipzig zur drittgrünsten Stadt Deutschlands. Viel Grün prägt auch das Leipziger Neuseenland. Das Wasserparadies vor den Toren der Stadt umfasst mehr als 20 Seen. Jeder See hat seinen ganz eigenen Charme und bietet eine Fülle von Wassersport- und anderen Freizeitmöglichkeiten. Beispielhaft für die Entwicklung der Region steht der Cospudener See, der sich vom Braunkohletagebau in eine Freizeitoase verwandelt hat. Beliebte Ausflugsziele sind auch der Markkleeberger See und der benachbarte Störmthaler See. Dort erinnert die schwimmende Kulturinsel Vineta an die Dörfer, die einst dem Braunkohletagebau weichen mussten. Industriekultur zum Anfassen bietet der Bergbau-Technik-Park mit seinen zwei riesigen Abräumschaufelrädern. Highlights im Jahr der Industriekultur Apropos Industriekultur. Auch in Leipzig wird das „Jahr der Industriekultur 2020“ mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Schließlich wurde die Stadt durch das wirtschaftliche Engagement des Industriepioniers Carl Erdmann Heine zwischen 1840 und 1880 zum Vorreiter der deutschen Industrialisierung. Der Verein Industriekultur Leipzig veranstaltet ein breit gefächertes Programm (3.-6.9.2020) – von der Stadtteilbis zur Betriebsführung. Ganzjährig gibt es verschiedene Ausstellungen zum Thema, sowie Symposien, eine „Parade der Werktätigen“ oder Theater auf dem Karl-Heine-Kanal. Anreisetipps: Mehrmals pro Woche geht es nonstop mit SWISS von Zürich nach Leipzig. Austrian Airlines fliegt täglich nonstop von Wien nach Leipzig. Weitere Informationen: www.leipzig.travel/wasserstadt Das Reisepaket Industriekultur in Leipzig und Region, ab 195 Euro pro Person im Doppelzimmer enthält zwei Übernachtungen einen thematischen Stadtrundgang, eine geführte Motorbootfahrt, Eintritt in das Kunstkraftwerk sowie die Teilnahme an der Phönix-Tour durch das Leipziger Neuseenland. Info und Buchung: www. leipzig.travel/reiseangebote. Sachsen 37

© IFOVA Verlagsgesellschaft mbH 2019